Yoga
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Im Folgenden beziehe ich mich auf einen Yogabegriff, der mit Yoga - in aller Kürze zusammengefaßt - ein von allen Religionen freies oder sogar ein alle Religionen verbindendes Streben meint, das geistige Leben als Wurzel des irdischen Daseins zu entdecken. Yoga gilt traditionell als Wissenschaft vom Leben und vom Geist. Es war früher vor allem ein individueller Weg der Selbstmeisterschaft und der Vervollkommnung des Charakters.
Als dreigliedriger Pfad umfasst der Yoga die Bemühungen um Erkenntnisbildung (jnana), um Hingabefähigkeit (bhakti) und um ein uneigennütziges Dienen (karma). Die Wiege des Yoga ist Indien. Das Wort Yoga wird im Allgemeinen von der Sanskritwurzel yuj abgeleitet. Für diesen Begriff gibt es schon in Indien vielfältige, zum Teil widersprüchliche Übersetzungen. Allein in einem Sanskritlehrbuch von 1884 sind es 65 Bedeutungen, von denen B. Sacharow (1959, Kriya-Yoga) einige wenige herausgreift: "Anschirren, Gespann, Ausführung, Mittel, Verbindung, Anspannung der Kräfte, feste Richtung der Erkenntnis auf einen Punkt, die zur Kunstfertigkeit erhobene Kontemplation, ein bestimmtes philosophisches System." Sacharow grenzt diese Auslegungen von dem auch gerne verwendeten Wort "Joch" ab, weil mit Yoga eine Befreiung und nicht eine Unterjochung gemeint sei.
Helmtrud Wieland definiert Yoga in seinem Buch Spektrum des Yoga als Methode der Konzentration und Meditation und den Entwicklungsweg dahin. Yoga werde sogar als Begriff für jede Art von Unternehmung verwendet die sich ein Ziel setze und für das „Sich-auf-den-Weg-machen." Im Westen bekannt geworden sind vor allem verschiedene Formen der Körperhaltungen des Ha-Tha-Yoga, Atemübungen sowie diverse als Meditation bezeichnete Techniken. Zur Zeit hat sich eine Yoga-Modewelle ergeben, bei der auch sehr subjektiv gefärbte oder alte, zum Teil vollkommen aus dem Zusammenhang herausgerissene Methoden oft mit dem Zielen der perönlichen "Wellness" in den Vordergrund gestellt werden.Hingegen lehrten im letzten Jahrhundert mehrere international bekannte Lehrer - zum Teil von Indien aus - eine spirituelle Erneuerung des Yoga: Sivananda, Sri Aurobindo, O.M. Aivanhov, Bede Griffith, Sathya Sai Baba (Hier ein interessanter Artikel zu diesem Thema), Dr. Rudolf Steiner und Heinz Grill.
Heinz Grill hat einen für die westliche Kultur und den westlichen Bewußtseinsstand abgestimmten integrativen Yoga-Weg entwickelt, der von der Seele ausgehend bessere Beziehungen schaffen möchte, und zwar sowohl zur transzendenten geistigen Ebene als auch zur körperlichen/materiellen Ebene und vor allem im menschlichen Miteinander. Mit dem sogenannten Neuen Yogawillen - wird eine schöpferische Dimension des Yoga betont.
Zunächst aber noch ein kurzer Überblick über ältere Ausrichungen im Yoga, aus denen vor allem hervorgeht, welche Rolle das Denken und die reine Selbstvervollkommnung ohne weitere Gabe an die Welt früher im Yoga spielten. Auch wurde Yoga früher mit abgeschiedenem Leben in Ashrams sowie asketischer Enthaltsamkeit und der Autorität eines Gurus verbunden. Zudem betrieben einige Yogis fakirhafte Kasteiungen des Körpers.
Von Sacharow, der zunächst Tänzer, dann Schüler von Swami Sivananda und in den 30er bis 50er Jahren einer der ersten Yogalehrer in Deutschland war, folgendes Bild vom Sinn des Yoga entwickelt. Weder in der Unterdrückung der Modifikationen des Denkens noch in der Nicht-Existenz sei der Sinn zu sehen: "Sinn und zugleich das Endziel des Yoga ist es nun, ... die Oberfläche des Citta- Sees (Denksubstanz, Bewußtsein) zu glätten, damit sich in ihr die ganze Landschaft widerspiegelt (Erkenntnis des Weltalls) und auch der Grund zu sehen sein wird (Selbsterkenntnis)." Sacharow zitiert aus den Katha-Upanisad, einer der ältesten spirituellen Schriften der Welt:
"Erkenne Dein Selbst als den Besitzer des Wagens, deinen Körper als den Wagen, den Verstand als Wagenlenker, das Denkprinzip als Zügel". Der Wagenlenker habe demnach weder die Zügel (das Denken) schießen zu lassen, noch die Rosse (Sinnesorgane, Körper) komplett zurückzuhalten bzw. zu unterjochen.
Demgegenüber behaupteten gerade die damaligen indischen Autoren der Sinn des Yoga sei "die Unterdrückung der Funktionen der Denksubstanz".
Ein allgemeines Ziel des traditionellen Yoga ist, in der Stille Abstand zu nehmen von den Impressionen der Sinne und mit tieferen Schichten des eigenen Selbstes in Kontakt zu kommen. „Die Meditation über eine unendliche Leere ist ebenso möglich wie über die verschiedenen Aspekte des Göttlichen, über Schönheit, Wahrheit oder die vielen Namen, mit denen (indische) Götter oder Göttinnen bezeichnet werden. Die ständige Wiederholung heiliger Wörter oder Namen wird zum Mantra-Yoga, der als innere Übung auch in den Alltag hineingetragen werden kann. Im Idealfall soll der Meditierende etwas von dem, was er in der Stille erfährt, im äußeren Leben manifestieren und dort z.B. die erlangte innere Ruhe auch unter schwierigen Umständen zunehmend aufrechterhalten" (Huchzermeyer: Yoga –Wörterbuch).
In der Bhagavad Gita, einer der zentralsten Schriften des Yoga und des Hinduismus – hier in einer Übersetzung von Sri Aurobindo zitiert - wird das Thema Meditation folgendermaßen ausgeführt: „Der Yogin soll ständig das Einswerden mit dem Selbst üben (so dass dies zu seinem normalen Bewusstsein wird), indem er abgesondert und allein sitzt, alles Verlangen und jeden Gedanken an Besitz aus seinem Mental verbannt und in seinem ganzen Wesen und Bewusstsein selbstbeherrscht ist. An einem sauberen Ort soll er seinen festen Sitz errichten, der weder zu hoch noch zu niedrig ist, mit einem Tuch bedeckt, einem Rehfell und mit heiligem Gras; dort soll er sitzen in Konzentration seines Mentals und in voller Beherrschung der Wirkweisen des mentalen Bewusstseins und der Sinne. So soll er zur Läuterung seiner selbst den Yoga üben". Am Ende der Passage wird der Meditierende angewiesen, seine mentalen Kräfte konzentriert auf Krishna zu richten und so den Frieden zu erlangen, der in Ihm begründet ist und in Nirvana, Befreiung, gipfelt (vgl. Kapitel 6.10-15).
Weitere Beschreibungen finden sich bei dem indischen Gelehrten Patanjali. Dieser teilt Yoga als einen 8-gliedrigen Pfad auf, wobei der Meditation sechs vorbereitende Stufen vorausgehen: 1. moralische Prinzipien (yama) wie Gewaltlosigkeit, Aufrichtigkeit, Nicht-Stehlen, Begierdelosigkeit, Keuschheit. 2. Bestimmtes Vorschriften, Regeln (niyama) u.a. Studium der heiligen Schriften, Hingabe an den Herrn des Yoga. 3. Asana (Körperstelluneng, die nicht zu hoch und nicht zu tief sitzen sollten) 4. Pranayama (Atembeherrschung), 5. Pratyahara (Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt), 6. Dharana (Konzentration) als Fixieren der Gedanken an einer einzigen Stelle. 7. Dhyana (Meditation) bedeutet, sich auf ein einzelnes begriffliches Fließen auszurichten. Anschließend ist in Stufe 8. Samadhi reine Kontemplation, Einheitserfahrung möglich (vgl. Prem Prakash).
Wie streng, geheim und asketisch der Yoga früher praktiziert wurde, geht aus der Leuchte des Hathayoga, Svatmarama´s Hathayogapradipika, hervor. Diese ist 1893 in deutscher Übersetzung und nur wenige Jahre vorher in Indien erstmals erschienen: „Von dem Yogin, der nach Vollendung strebet, muss die Kenntnis des Hathayoga vollends geheim gehalten werden; geheimgehalten ist sie wirksam, kundgegeben aber ist sie wirkungslos. In einem wohlregierten, rechtschaffenen Lande, an einem ruhigen, mit Lebensmitteln wohl versehenen Ort, in einer einsamen Zelle, die auf eine Entfernung von einer Bogenlänge von Felsen, Feuer, und Wasser abliegt, soll der Hathayogin wohnen. Die Zelle sei mit einer kleinen Türe versehen, aber ohne Fenster, Vertiefung oder sonstige Öffnungen; sie sei weder zu hoch, noch zu tief, noch zu lang; sie sei vorschriftsgemäß mit Kuhmist bestrichen und frei von jeglichem Ungeziefer. Außen sei sie durch Laube, Altar und Brunnen verschönt und von einer Mauer umgeben; so wird von den vollendeten, welche den Hathayoga üben, das Aussehen einer Yogazelle geschildert. In einer solchen Zelle wohnend, allem Denken entsagend möge er auf die vom Lehrer gezeigte Weise den Yoga üben. Übermässiges Essen, Anstrengung, Geschwätzigkeit, Beobachtung von unnötigen Gelübden, Umgang mit Menschen, Unbeständigkeit, durch diese sechs wird der Yoga vereitelt. Ausdauer, Mut, Entschlossenheit, Erkenntnis des Wahren, Glaube, Vermeidung des Umgangs mit Menschen. Diese sechs verhelfen zum Gelingen des Yoga.“
