Depressionen und Trauer
Unter Depression kann sich jeder etwas vorstellen: gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit. Dennoch wissen viele nicht, was eine Depression wirklich ist. Sie ist kein alltägliches Stimmungstief, keine kurze Phase der Traurigkeit, sondern eine ernste Erkrankung, die das seelische und körperliche Befinden stark beeinträchtigt. Mit dem Wort "depressiv" kann Verschiedenes bezeichnet werden: Eine adäquate Reaktion auf einen schmerzlichen Verlust, eine Konfliktreaktion, und eine Neurose, eine Persönlichkeitsstruktur oder eine affektive Psychose.
An dieser Stelle geht es um die akute Trauer, die reaktive Depression und die depressive Neurose. Informationen zu depressive Persönlichkeitsstörungen und affektive Psychosen finden Sie unter den entsprechenden Menüpunkten links.
Obwohl eine Depression nicht immer gleich verläuft und nicht in jedem Fall alle Symptome und diese auch nicht in vergleichbarer Intensität auftreten, gibt es aber Gemeinsamkeiten des Erscheinungsbildes:
- Niedergeschlagenheit
- Erschöpfung
- Selbstwertmangel
- Schuldgefühle und Pessimismus
- Antriebslosigkeit oder Agitiertheit
- Konzentrationsmangel
- Sozialer Rückzug
- Gefühllosigkeit oder quälende Gefühle von Traurigkeit, Verzweiflung, Mißtrauen, die aber nicht unbedingt Ausdruck finden
- Schlafstörungen
- Suchtgefährdung
- Suicidgefährdung
- Körperliche Beschwerden wie Kopfdruck, Kloß im Hals, Enge auf der Brust, Appetitlosigkeit
Akute Trauer
Beim Erleben eines schweren Verlustes, wie den Verlust eines nahestehenden Menschen durch Tod, folgt ein psychsich schmerzhafter Vorgang der Ablösung. Akute Trauer geht oft mit körperlichen Beschwerden und vegetativen Störungen einher, insbesondere Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Magen-Darm-Störungen. Psychisch reagiert ein trauernder Mensch oft mit abweisender Kühle, Gereiztheit, wohinter sich oft eigene Schuldgefühle verbergen.
Nicht selten wird diese Trauer abzuwehren versucht. Aber nur das Wahrhaben des Verlustes und des Schmerzes, das Akzeptieren des Verlassenseins können zur Bewältigung und zur Neuorientierung führen. Das wird als Trauerarbeit bezeichnet, nach deren Vollendung laut Freud "das Ich wieder frei und ungehemmt ist."
Ist dieser Verlauf über Monate und Jahre hinweg gestört, dann spricht man von einer krankhaften Trauerreaktion. Es treten Versteinerung und Abkapselung, Passivität und Interesselosigkeit ein, zum Teil Verbitterung und Aggressionshaltung der Umwelt gegenüber. Gleichzeitig treten erheblich funktionelle vegetative Störungen auf, die auch mit hypochondrischen Befürchtungen einhergehen.
Reaktive Depression
Der Betroffene ist über Zugefügtes oder Verlorenes in einfühlbarer Weise traurig, jedoch besonders stark und lange bedrückt, was auf vorausgegangene Konflikte zurückgeführt wird. Die krankhafte Trauerreaktion ist ein Muster depressiver Reaktion schlechthin. Weiterhin können einschneidende Veränderungen der Lebensverhältnisse, Verlust des gewohnten Lebensraumes und der vertrauten Atmosphäre z. B. nach Emigration, Umzug, Pensionierung zu depressiven Reaktionen führen.
Entscheidend ist nicht das äußere Ereignis selbst, sondern das Erlebnis dieser Veränderung. Häufig liegen depressiven Reaktionen tiefgreifende Kränkungen und Selbstwertkrisen zugrunde.
Depressive Neurose
Diese Form der Depression ist nicht auf einen bestimmbaren aktuellen Konflikt zurückzuführen, sondern auf eine weiter zurückliegende, anhaltende Konfliktkonstellation. So kann der Verlust von Geborgenheit schon das kindliche Erleben geprägt haben. Im Laufe des Lebens wiederholen sich ernsthafte depressive Verstimmungszustände.
Es bestehen allerdings breite Übergänge zur reaktiven Depression. Häufig ergeben sich Ausweitungen der Störungen, wie z. B. Süchte oder Autoaggression bis hin zu Selbstmordimpulsen.